Biographie
Das letzte Gefecht
Am 8. August begannen die Alliierten mit Operation "Totalize" die verbliebene Widerstandszone um Falaise mit weiteren schweren Angriffen einzudrücken. Diesmal war Wittmann der Div. "Hitlerjugend" zugeteilt, die sich fast vollständig aus ehemaligen Pimpfen (Mitglieder der Hitlerjugend) rekrutierte und vom schon legendären Kurt "Panzer" Meyer geführt wurde. Wittmanns Besatzung bestand jetzt aus SS-Unterscharführer Karl Wagner als Richtschütze, SS-Sturmmann Günther Weber als Ladeschütze, SS-Unterscharführer Heinrich Reimers als Fahrer und SS-Sturmmann Rudolf "Rudi" Hirschel als Bug-MG-Schütze und Funker. Die kleine Kampfgruppe hatte zusammen an die sechzig Panzer und Wittmann hatte nur noch 8 intakte Tiger unter seinem Kommando. Im Vergleich dazu mobilisierten die Alliierten an die 600 Gefechtsfahrzeuge für Operation "Totalize".


Links: Eins der bekanntesten Kriegsfotos: Michael Wittmann auf seinem Tiger. Man beachte das ärmelband "Adolf Hitler". Rechts: Wittmann im Turm seines Tigers mitten im Gefecht, eins der letzten Bilder vor seinem Tod am 08.08.44. Das Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern ist deutlich zu erkennen und die Kragenspiegel eines Hauptsturmführers auch.
Wittmann sollte das Städtchen Cintheaux angreifen, das sich an der N158 zwischen Caen und Falaise befindet und die sich nördlich anschließenden Höhen besetzen. Um 12.30h fuhr Wittmanns Tiger los und traf nach kurzer Fahrt auf ein paar Shermans der 4th Canadian Armoured Division die ihrerseits auch Cintheaux nehmen sollten. Mit der durchschlagkräftigen 8,8cm KwK bekämpften die angreifenden Tiger die kleine kanadische Truppe, die verzweifelt versuchte, ihren Auftrag zu erfüllen. Seine Kameraden behaupteten später, Wittmann sei morgens nervös und ungewöhnlich unentschlossen gewesen. Dieses Vorzeichen sollte sich bewahrheiten.
Was als nächstes geschah, lässt sich nur vermuten. Dennoch scheint von der gebotenen Auswahl die Wahrscheinlichste die zu sein, dass Wittmanns Tiger im Wald außerhalb von Cintheaux umzingelnd und Opfer eines Beschusses geworden ist, bei dem sowohl die Kette beschädigt wurde als auch das Fahrzeug in Brand geriet. Allen verfügbaren Berichten zufolge fand dies gegen 12.47h statt. Um 12.55h sah SS-Hauptscharführer Hans Höflinger von der 2. Kp. den Panzer noch bewegungsunfähig, aber intakt; leider konnten weder Höflinger noch der Stabsarzt SS-Hauptsturmführer Dr. Wolfgang Rabe zum getroffenen Fahrzeug vordringen und wurden zum Rückzug gezwungen. Nur kurze Zeit später wurde der Turm von Tiger Nr.007 komplett aus der Wanne gerissen, was nur durch Bordmunitionsexplosion durch Fahrzeugbrand (Anm. d. übers.: oder durch Fliegerangriff) hervorgerufen werden konnte. Keine Granate könnte so etwas hervorrufen; das Turmgewicht läßt nur den Schluß zu, daß hier eine Explosion im Fahrzeug-Inneren den Turm herausgeschleudert haben könnte.
Nicht länger als eine Stunde später am 08.08.1944 wurde Wittmann und seine Besatzung vermisst gemeldet.

Der zerschmetterte Turm von Tiger Nr.007, vollständig aus der Wanne gerissen und durch interne Explosion zerstört. Mehrere alliierte Einheiten beanspruchten den Abschuß für sich, aber auch ein Fliegerangriff hätte das verursachen können. Das Foto wurde von einem französischen Zivilisten aufgenommen.
Michael Wittmanns Tod am 8. August 1944 hätte sehr wohl vermieden werden können, denn er hätte nicht mitfahren brauchen, tat dies aber wegen der Tatsache, weil der neu beförderte Chef der 3.Kp., SS-Hauptsturmführer Franz Heurich noch nicht die nötige Gefechtsfelderfahrung hatte. Seine Worte "Ich muß mit ihnen raus" wird sich jedem überlebenden im Gedächtnis eingegraben haben. Wittmann war wie immer für seine Soldaten da und ging mit ihnen unter. Als Soldat bis zum Letzten hätte er auch gar keinen anderen Weg gehabt. Die Nachricht vom Tode Wittmanns erschütterte die LAH vom einfachen Sturmmann bis hin zu Sepp Dietrich; der Tag sollte sich als einer der schwärzesten in der Divisionsgeschichte herausstellen. (Anm. d. übers.: vergleiche den 8.8.1918 "Der Schwarze Tag des Deutschen Feldheeres").
Unbeantwortete Fragen
Die ganze Wahrheit über das Schicksal von Michael Wittmann und seiner Besatzung wird vielleicht niemals zutage kommen; sein legendärer Ruf ließ eine ganze Anzahl von Einheiten den Abschuß beanspruchen, die in der Gegend kämpften. Einer Quelle folgend war Wittmanns Tiger von Panzern der 1st Northamptonshire Yeomanry, B Sqn, 144 Regiment Royal Armoured Corps und der 27th Canadian Armoured Regiment (den "Sherbrooke Fusiliers") in der Gegend um St. Aignan-de-Cramesnil eingekesselt, während die Kanadier beanspruchen, das Panzerass sei von den Shermans der 4th Armoured Division umzingelt und vernichtet worden. Die 1. (poln.) Pz. Div. beanspruchte ebenfalls den Abschuß. Andere Quellen behaupten den Ausfall durch alliierten Fliegerangriff.
Weitere Nachforschungen machten viele der Ansprüche angreifbar: zum Beispiel waren die Polen tatsächlich ostwärtig von St. Aignan-de-Cramesnil, aber erst nach 13.55h, sodaß sie am Abschuß Wittmanns nicht beigetragen haben können. Auch der kanadische Anspruch ist anfechtbar, da ihr Hauptstoß durch den Ort Rocquancourt führte. Die Einsatzberichte der 2. Takt. Luftflotte und das Fehlen jeglicher Panzerabschüsse im Gefechtsabschnitt an diesem Tage lassen den Schluß zu, daß die Airforces Wittmann ebenfalls nicht abgeschossen hatten, ganz im Gegensatz zum Abschnitt Argentan-Fliers-Falaise, in der mehrere Pz.-Abschüsse bestätigt wurden.
All diese vorgelegten Beweise lassen nur den Rückschluß zu, daß nur zwei Anspruchsteller in Frage kommen: einmal die 1st Northants Yeomanry und die Sherbrookes. Nach Aussage einer der Sherbrookes beschoß einer der "Fireflies" einen Tiger nahe der RN158, aber dieser fuhr in Richtung eines Obstgartens, in dem die 1st Northants Yeomanry lag. Daraus lässt sich schließen, dass eine dieser zwei Einheiten am Abschuß Wittmanns beteiligt gewesen sein können. Das Stabsfahrzeug des RHQ wurde jedenfalls kurz nach dieser Sichtung ebenfalls zerstört, so das? sich auch hier kein endgültiger Beweis erheben läßt. (Mein Dank gilt Brian Reid für weitere Angaben zu den Ereignissen des 8. August 1944).
Auch wenn es so scheint, als würden die Abschußansprüche ungeklärt sein, die zum Tode Wittmanns als legendärer Figur des Panzerkampfes führten, bleibt doch eines sicher: der Turm von Tiger Nr.007 wurde infolge einer internen Explosion vollständig aus seiner Wanne gerissen und niemand aus der Besatzung hat das überlebt.
Michael Wittmann und seine Besatzung wurden kurz nach der Schlacht durch eine Gruppe Zivilisten in der Nähe beigesetzt und dank der Nachforschungen von Monsieur Jean Paul Pallud 1981-82 wurde die Grablage schließlich bei Gaumesnil neben der Hauptstraße Caen-Falaise entdeckt. Auf Betreibendes VdK (Verband der Kriegsopfer) wurden die Gräber geöffnet und einer konnte anhand seines Zahnersatzes als Wittmann identifiziert werden, den er seit der Gesichtsverletzung in Russland tragen musste. Die "Hundemarke" von Heinrich Reimers, seinem Fahrer, fand sich an einer der anderen Leichen, aber zwei verbleibende konnten nicht mehr identifiziert werden.


Zwei am 8.8.1944 gefallene Besatzungsmitglieder von Wittman: Links: Fahrer SS-Sturmmann Heinrich 'Hein' Reimers. Rechts: Funker SS-Sturmmann Rudolf 'Rudi' Hirschel. Beide liegen mit Kommandanten Wittmann und Kameraden Günther Weber und Karl Wagner auf dem Soldatenfriedhof in La Cambe.
1983, neununddreißig Jahre nach ihrem Tod auf einem Feld außerhalb Cintheaux wurden Michael Wittmann und seine Besatzung auf dem Deutschen Soldatenfriedhof La Cambe in der Normandie beerdigt, direkt an der NR13 zwischen Isigny-sur-Mer und Bayeux. Die Grabstätte trägt die Namen Wittmanns und aller Besatzungsmitglieder - Fahrer Heinrich Reimers, Richtschütze Karl Wagner, Ladeschütze Günther Weber und Bug-MG-Schütze/Funker Rudolf Hirschel - das 120. Grab in Reihe 3 von Block 47.
SS-Hauptsturmführer Michael Wittmann hinterließ seine Witwe Hildegard und ein Vermächtnis, welches wohl niemals wiederholbar sein dürfte. In einer einzigartigen Laufbahn zerstörte er 138 Feindpanzer und 132 PAK und andere Geschütze, ganz zu schweigen von den Hunderten anderer Kleinfahrzeugen. Man muß berücksichtigen, daß die ersten Abschüsse mit einem Sturmgeschütz erzielt wurden; lieber nicht nachdenken sollte man darüber, was wohl geschehen wäre, wenn der Tiger-Panzer früher verfügbar gewesen wäre. Wittmanns Freund Balthasar Woll, Waffenkamerad und Richtschütze in Russland und bei Villers-Bocage, wurde im Lazarett behandelt, als Wittmann fiel und entkam dadurch dem Tode. Er überlebte den Krieg und die gesellschaftlichen Umwälzungen der Nachkriegszeit und starb verbittert 1996.
"Ein Soldat wie andere auch"
